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Selig seid ihr!

Zum Sonntag, 01.02.2026

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Matthäus 5, 1-12a – Vierter Sonntag im Jahreskreis

1 Als Jesus die vielen Menschen sah, stieg er auf den Berg. Er setzte sich und seine Jünger traten zu ihm. 2 Und er öffnete seinen Mund, er lehrte sie und sprach:

3 Selig, die arm sind vor Gott; / denn ihnen gehört das Himmelreich. 4 Selig die Trauernden; / denn sie werden getröstet werden. 5 Selig die Sanftmütigen; / denn sie werden das Land erben. 6 Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit; / denn sie werden gesättigt werden. 7 Selig die Barmherzigen; / denn sie werden Erbarmen finden. 8 Selig, die rein sind im Herzen; / denn sie werden Gott schauen. 9 Selig, die Frieden stiften; / denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. 10 Selig, die verfolgt werden um der Gerechtigkeit willen; / denn ihnen gehört das Himmelreich. 11 Selig seid ihr, wenn man euch schmäht und verfolgt und alles Böse über euch redet um meinetwillen. 12 Freut euch und jubelt: Denn euer Lohn wird groß sein im Himmel. So wurden nämlich schon vor euch die Propheten verfolgt.

 

Impuls

In der aktuellen weltpolitischen Gemengelage muss man konstatieren, dass Diejenigen, die sich in eine höhere Position über die Menschenmenge erheben, dies tun, um sich selbst als erhaben zu positionieren. Der aktuelle amerikanische Präsident beispielsweise hat beschlossen, dass das, was er als seinen eigenen moralischen Kompass bezeichnet, das einzige ist, an das er sich zu halten gedenke. Und dieser ist nur an seinem eigenen Nutzen ausgerichtet. Offen stellt er zur Schau, dass er sich als DEN Weltenlenker der Gegenwart und Zukunft betrachtet und möchte damit die Macht der anderen Despoten der Welt noch überflügeln. Wer ihn nicht offen verehrt oder ihn gar kritisiert und in seine Schranken verweist, wird mit Drohungen, Spott und Beschimpfungen überhäuft. Die sich hier herauskristallisierende Entwicklung gleicht den Mechanismen, die in den schon länger bestehenden autoritär geführten Staaten Gang und Gebe sind. Die im gemeinsamen Ringen nach der Erfahrung zweier Weltkriege entwickelte regelbasierte internationale Ordnung wirft er schlichtweg über Bord. Wie kann der „Westen“ dem russischen Präsidenten den Bruch des Völkerrechts vorwerfen, wenn seine große ehemalige Schutzmacht mit gleichen Mitteln arbeitet? Wie können wir gegen eine mögliche Invasion Chinas in Taiwan empört die Stimme erheben, wenn Amerika sich das Recht herausnimmt, in seinem Hinterhof militärisch gewünschte Verhältnisse herzustellen?

Jesus besteigt den Berg über der Menschenmenge aus völlig anderem Grund. Es geht ihm nicht um Selbsterhöhung, sondern darum, möglichst viele Menschen direkt zu erreichen mit einer Botschaft, die allerdings auch das Potential hatte, eine alte Ordnung aus den Angeln zu heben. Das „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ des alten Bundes war durchaus eine Errungenschaft. Über Generationen bot diese Regelung unregulierter, sich immer weiter aufschaukelnder Rache Einhalt und schützte vor Eskalation bei Konflikten.

Jesu Weg für ein gelungenes Miteinander sind Sanftmut, Durst nach Gerechtigkeit, Barmherzigkeit, ein reines Herz, Friedensstiftung. Dafür in Kauf zu nehmen sind Verfolgung und Schmähung im Blick auf das große Ganze, den Bau des Reiches Gottes unter den Menschen.

Diese Aussagen Jesu decken sich so sehr mit meiner inneren Sehnsucht. Die Bergpredigt fasziniert mich seit Kindestagen und bildet die Grundlage meines pazifistischen Denkens. Traurig und frustriert muss ich allerdings zugeben, dass dieser Pazifismus in unserer heutigen Wirklichkeit nicht unbedingt die angebrachte Haltung zu sein scheint. Er wird als Schwäche gewertet und schamlos ausgenutzt. Was nutzt aller guter Wille, wenn die Gegenseite – das Recht dazu für sich beanspruchend – skrupellos und ohne Rücksicht auf Verluste, die eigene Position durchzusetzen gedenkt? Nur zur Schau getragene Stärke und entsprechende Gegenwehr scheinen Mittel zu sein, um der Aggression Einhalt zu gebieten. Sind die Seligpreisungen da nicht ein blauäugiges Wunschdenken, das aus der Zeit gefallen ist?

Hilft also doch nur wieder Auge um Auge, Zahn um Zahn, oder werden wir uns damit abfinden müssen, dass demnächst eindeutig wieder nur die Macht des Stärkeren gilt?

Manchmal ist Aufstehen (Durst nach Gerechtigkeit) unabdingbar. Jesus nimmt in vielen Situationen auch keine Hand vor den Mund, sondern prangert Unrecht deutlich an. Er öffnet damit auch Vielen die Augen und bewegt sie, neue Wege einzuschlagen (Umkehr!). Wir können als einzelne Menschen den großen Despoten der Welt nicht viel entgegensetzen, wir können als Einzelne auch keine großen Kriege beenden. Aber mit den Seligpreisungen haben wir eine Richtschnur für den Umgang untereinander. Wir können Dinge verändern im alltäglichen Zusammenleben in unserer Gesellschaft, die auch von vielen Ungerechtigkeiten und „Kleinkriegen“ um Meinungshoheit gespalten ist. So können wir Populismus und Aggression eine andere Vision von menschlichem Miteinander entgegenhalten.

In diesem Sinne wünsche ich allen eine gute Woche

Maria Schmale