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Die Frage nach dem wichtigsten Gebot

Zum Sonntag, 25.10.2026

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Matthäus 22, 34-40 – 30. Sonntag im Jahreskreis

34 Als die Pharisäer hörten, dass Jesus die Sadduzäer zum Schweigen gebracht hatte, kamen sie am selben Ort zusammen. 35 Einer von ihnen, ein Gesetzeslehrer, wollte ihn versuchen und fragte ihn: 36 Meister, welches Gebot im Gesetz ist das wichtigste? 37 Er antwortete ihm: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit deinem ganzen Denken. 38 Das ist das wichtigste und erste Gebot. 39 Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. 40 An diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.

Impuls

Kennen Sie das Empfinden auch? Da schwingt Jemand das große Wort, und man denkt: Alles laue Luft, viel Geschwafel ohne Aussage oder mit wirrer und (äußerst) fragwürdiger Aussage.

Ganz anders verhält es sich bei dem Text des heutigen Evangeliums. Hier bringt Jesus in wenigen Worten genau auf den Punkt, was essentiell ist für gelungenes Leben – für den Einzelnen wie für uns als menschliche Gemeinschaft. Herz, Seele und Verstand an den zu binden, der unverbrüchlich zu uns steht, als fester Halt unter den Füßen, ist die Basis für den Umgang mit uns selbst und unseren Mitmenschen.

Wenn ich Gottes Zusage in mein Herz lasse und in seiner Konsequenz mit meinem Verstand erfasse, kann ich nur staunen und unendlich dankbar sein. Und wenn er uns Menschen eine solche Würde zuspricht, uns damit soviel Sicherheit und Geborgenheit schenkt, wer bin ich, dass ich sie mir selbst oder anderen absprechen könnte?

Warum fällt es mir dann bei manchen Menschen so schwer, in ihnen ein geliebtes Kind Gottes zu erkennen? Da gibt es so manche Einzelperson und so manchen Zusammenschluss von Menschen, die mich regelrecht anwidern!

Wir befinden uns gerade in einer Zeit, in der der Konsens über grundlegende Werte immer mehr verfällt. Im Grundgesetz ist die unverbrüchliche Würde des Menschen allen dann folgenden Artikeln der Verfassung als Grundlage vorangestellt, aus der sich die weiteren Regeln ergeben, die unser staatliches Denken und Handeln bestimmen sollen.

Nicht nur in unserem Land, sondern weltweit erobern sich allerdings immer mehr die radikalen Ränder die Deutungshoheit. Die Würde des Menschen tritt bei vielen Parolen und Handlungen dieser Kräfte immer weiter in den Hintergrund oder wird nur noch einer begrenzten Gruppe zugestanden, womit den restlichen Menschen im Grunde das Menschsein abgesprochen wird. Das macht es dann einfach bzw. rechtfertigt es, diesen gegenüber unmenschlich zu agieren. Regieren tut da dann letztlich nur noch das Eigeninteresse des Mächtigen/Stärkeren.

Ich erinnere mich, dass es mir in der Erziehung meiner Kinder immer wichtig war, ihnen eine Unterscheidung deutlich zu machen: Dich als Person, die du bist, liebe ich aus tiefstem Herzen und ohne Wenn und Aber, ganz egal, was passiert und was du tust. Darauf kannst du dich verlassen!

Aber gerade deshalb greife ich ein und korrigiere dich, wenn ich spüre, dass da in deinem Denken oder Handeln etwas so läuft, dass es dir selbst und anderen (welch auch immer gearteteten) Schaden zufügt. Denn ich möchte, dass du dich zu einer Persönlichkeit entwickelst, die aus der Geborgenheit, der Liebe und dem Respekt heraus, die ihr geschenkt sind, auch den Mitmenschen so begegnet, dass auch diese ebendies wahrnehmen können.

Diese Unterscheidung zwischen der grundsätzlichen Achtung der Würde der Person als solcher auf der einen Seite und dem Aufstehen und Eingreifen bei fragwürdigem, die Menschenwürde verletzendem Denken und Handeln auf der anderen Seite, das sehe ich als Weg, weitere Spaltung zu verhindern. Denn wenn ich denen, deren Handeln und Verhalten ich ablehne, ebenso die Menschenwürde abspreche, mache ich ja letztendlich nichts anderes als sie. Also geht es darum, uns immer wieder gegenseitig dafür zu sensibilisieren, die uns geschenkte Würde als kostbare Lebensgrundlage zu schützen und zu bewahren. Dies schließt einen heftigen Diskurs nicht aus, vielmehr erfordert es ihn. Aber immer unter Wahrung der Erinnerung daran, dass wir alle Menschen sind! Wir dürfen einander nicht abschreiben!

Maria Schmale