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Das Zeugnis des Täufers

Zum Sonntag, 18.01.2026

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Johannes 1, 29-34 – 2. Sonntag des Jahreskreises

29 Am Tag darauf sah er Jesus auf sich zukommen und sagte: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt! 30 Er ist es, von dem ich gesagt habe: Nach mir kommt ein Mann, der mir voraus ist, weil er vor mir war. 31 Auch ich kannte ihn nicht; aber ich bin gekommen und taufe mit Wasser, damit er Israel offenbart wird. 32 Und Johannes bezeugte: Ich sah, dass der Geist vom Himmel herabkam wie eine Taube und auf ihm blieb. 33 Auch ich kannte ihn nicht; aber er, der mich gesandt hat, mit Wasser zu taufen, er hat mir gesagt: Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft. 34 Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes.

Impuls

Liebe Leserin, lieber Leser,

in dem heutigen Bibelabschnitt berichtet uns der Apostel Johannes von der Begegnung zwischen Johannes dem Täufer und dem Herrn Jesus. Johannes der Täufer war ein Wanderprediger und Asket, der am Jordan auftrat und die Menschen zur Umkehr (Buße) aufrief, indem er sie im Wasser taufte, um sie auf den nahenden Messias vorzubereiten. Er lebt ein karges Leben in der Wüste und predigt Gerechtigkeit und Demut. Er hält sich gerne fern vom Lärm der großen Städte, trägt ein einfaches Gewand aus Kamelhaar und ernährt sich – laut dem Markusevangelium – von Heuschrecken und wildem Honig. Viele Menschen folgen und verehren Johannes, aber er bleibt bescheiden und richtet den Blick seiner Zuhörer weg von sich selbst, weg von der eigenen Leistung, hin zu dem, der wirklich retten kann – Jesus Christus. Obwohl Johannes und Jesus verwandt waren, war die Erkenntnis von Jesu Identität nicht selbstverständlich, sondern eine Offenbarung für Johannes. Sie geschieht durch das Zeichen des Heiligen Geistes, der auf seinen Cousin Jesus wie eine Taube herabkommt und bei ihm bleibt. Der feste Glaube ist bei Johannes nicht durch intensives Nachforschen, Diskussionsrunden oder Meditationen entstanden, seine Erkenntnis war ein Geschenk des Heiligen Geistes. Somit gehört der heutige Bibeltext zu den Schlüsselszenen im Johannesevangelium: Johannes der Täufer deutet den Herrn Jesus öffentlich und legt Zeugnis für ihn ab – nicht als den großen Gelehrten mit dem erhobenen Zeigefinger, nicht als prahlerischen politischen Anführer, sondern als das Lamm Gottes und Sohn Gottes. Damit eröffnet er seinen Zuhörern, wer der Herr Jesus wirklich ist und was sein Kommen für sie bedeutet. Mit dem Lamm Gottes, wie Johannes es sieht, beginnt etwas völlig Neues in der Heilsgeschichte. Es erinnert uns an das Paschalamm, durch dessen Blut Israel befreit wurde, und an das Opferlamm, das im Tempel für Schuld dargebracht wurde. In allen Religionen wird versucht, sich mit Gott zu versöhnen, wenn jemand vor ihm schuldig geworden ist. Dazu gibt es, Riten, Opfer und bestimmte Gebete. Der Mensch will selber etwas geben, um Gott gnädig zu stimmen. Er versucht, die Versöhnung mit Gott selber in die Hand zu nehmen. Jesus Christus, „das Licht für die Völker“ (Jesaja 49,6), offenbart eine andere Wirklichkeit. Niemand kann diesem Gott genug geben, um das gestörte Verhältnis zwischen ihm und Gott aus eigener Kraft wieder in Ordnung bringen. Der Mensch mit seinen Möglichkeiten ist einfach zu klein und zu begrenzt. Ohne Gott kann er nichts tun. Hier geschieht ein Perspektivwechsel: Der Mensch muss sich nicht mehr zu Gott hinaufarbeiten – Gott kommt zu uns herunter und hebt die Last auf. Jesus Christus beseitigt das, was uns von Gott entfremdet. Was Gott von uns erwartet, lehrt uns der Herr Jesus in seinem Vaterunser-Gebet: „Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden.“ Darin erkennen wir den Wunsch Gottes nach unserer ganzen Hingabe an ihn. Dann dürfen wir erfahren, dass Gott uns ganz nahe ist. Der Apostel Johannes bringt es später an anderer Stelle nochmals auf den Punkt, so wie es Johannes der Täufer gesehen und bezeugt hat: „Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ (Johannes 14,6)

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und eine gute Woche!

Ralf Crüsemann

Meine Tipps

„Tagessegen“

Br. Paulus Terwitte predigt darin jeweils kurz über das Evangelium oder die Lesung des Tages und erbittet danach den Segen für die Zuschauer*innen. Im Internet unter: https://fernsehen.katholisch.de/tagessegen

„Abendgebet“:

Pater Philipp Meyer aus Maria Laach nimmt sich diese Zeit. Schließen Sie mit ihm gemeinsam den Tag mit einem Abendgebet ab. https://www.katholisch.de/multimedia