Matthäus 25, 1-13 – 32. Sonntag im Jahreskreis
1 Dann wird es mit dem Himmelreich sein wie mit zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und dem Bräutigam entgegengingen. 2 Fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug. 3 Die törichten nahmen ihre Lampen mit, aber kein Öl, 4 die klugen aber nahmen mit ihren Lampen noch Öl in Krügen mit. 5 Als nun der Bräutigam lange nicht kam, wurden sie alle müde und schliefen ein. 6 Mitten in der Nacht aber erscholl der Ruf: Siehe, der Bräutigam! Geht ihm entgegen! 7 Da standen die Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen zurecht. 8 Die törichten aber sagten zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, sonst gehen unsere Lampen aus! 9 Die klugen erwiderten ihnen: Dann reicht es nicht für uns und für euch; geht lieber zu den Händlern und kauft es euch! 10 Während sie noch unterwegs waren, um es zu kaufen, kam der Bräutigam. Die Jungfrauen, die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal und die Tür wurde zugeschlossen. 11 Später kamen auch die anderen Jungfrauen und riefen: Herr, Herr, mach uns auf! 12 Er aber antwortete ihnen und sprach: Amen, ich sage euch: Ich kenne euch nicht. 13 Seid also wachsam! Denn ihr wisst weder den Tag noch die Stunde.
Impuls
Liebe Leserin, lieber Leser,
Statistische Hochrechnungen auf der Grundlage von Alltagsstudien zeigen, wie viel Lebenszeit wir mit Warten verbringen: im Stau etwa 30 bis 38 Stunden pro Jahr, in Telefonschleifen rund 45 Stunden jährlich und an Warteschlangen, zum Beispiel im Supermarkt, insgesamt etwa 27 Tage im Laufe eines Lebens. An Supermarktkassen allein sind es ungefähr sechs Stunden pro Jahr. Gleichzeitig leben wir heute in einer Welt, in der die Werbung verspricht, dass alles sofort und bequem zur Verfügung steht, natürlich nur gegen die Zahlung eines entsprechenden Preises. „Gut Ding will Weile haben“ ist ein bekanntes deutsches Sprichwort. Es bedeutet, dass gute Ergebnisse Zeit, Geduld und Sorgfalt erfordern.
Unser heutiger Bibelabschnitt erinnert uns daran, geduldig und aufmerksam auf das Wiederkommen unseres Herrn Jesus Christus zu warten. Die Wiederkunft Christi, auch Parusie genannt, ist die in der Bibel verheißene Rückkehr Jesu Christi am Ende der Zeit, wenn Gottes Reich vollendet wird und das Jüngste Gericht stattfindet. Doch bereiten wir uns wirklich darauf vor?
Der Herr Jesus gebraucht ein Gleichnis, um seinen Nachfolgern deutlich zu machen, wie wichtig diese Vorbereitung ist. Zehn junge Frauen warten auf den Bräutigam. Alle haben ihre Lampen dabei, und alle rechnen damit, dass er bald kommen wird. Doch die lange Wartezeit macht sie müde und schläfrig. Fünf Frauen haben vorsorglich einen zusätzlichen Ölvorrat dabei, die anderen fünf jedoch nicht. Der Bräutigam steht für Jesus Christus und seine endgültige Ankunft am Ende der Zeit. Die zehn jungen Frauen repräsentieren die Gemeinschaft der Wartenden, also diejenigen, die sich zum Glauben bekennen. Zunächst gibt es keinen großen Unterschied zwischen ihnen. Alle werden müde und schläfrig. Der Herr Jesus kennt unsere menschlichen Schwächen. Er verlangt also nicht, dass wir ständig angespannt und ängstlich auf der Hut sind. Müdigkeit und Erschöpfung gehören zum menschlichen Leben. Der entscheidende Moment kommt, als der Ruf ertönt: „Der Bräutigam kommt!“ Plötzlich zeigt sich, wer gut vorbereitet ist. Die törichten oder gedankenlosen Frauen haben nicht ausreichend vorgesorgt. Übertragen auf unseren Glauben bedeutet das: Wir können unseren Glauben aus den Augen verlieren oder ihn in den Hintergrund drängen, bis er angesichts all der Ablenkungen unserer schnelllebigen Zeit nebensächlich wird. Die klugen Menschen hingegen halten an ihrem Glauben fest. Sie leben ihn im Gebet und im Handeln, mit Liebe und Zuversicht und ganz im Sinne des Wortes „Ora et labora“, bete und arbeite. Diesen festen und gelebten Glauben kann ich mir im entscheidenden Moment nicht einfach von anderen Menschen ausleihen oder abschauen. Jeder Mensch muss vor Gott persönlich Rechenschaft ablegen.
Das Gleichnis von den zehn Jungfrauen ist eine Geschichte über Wachsamkeit, Vorbereitung und die Frage, was wirklich trägt, wenn der entscheidende Moment kommt. Es geht darum, das Leben und den Glauben nicht auf später zu verschieben. Nicht irgendwann soll ich anfangen, dankbar zu sein, einem Menschen zu sagen, dass er mir wichtig ist, mich mit Gott zu beschäftigen oder den Frieden zu suchen. Das Leben und der Glaube geschehen heute. Dabei leben wir in einer Zeit, in der vieles sofort verfügbar sein soll. Wir wollen Antworten, Lösungen und Sicherheit und das bitte möglichst schnell. Doch das Gleichnis erzählt von einer langen Wartezeit. Der Bräutigam kommt nicht sofort. Vielleicht liegt genau darin eine wichtige Botschaft: Glaube bedeutet nicht, ständig etwas Besonderes erleben zu müssen. Manchmal bedeutet Glaube einfach, im Warten nicht die Hoffnung zu verlieren. Wenn heute der Ruf käme: „Der Bräutigam kommt!“ – wäre der Akku meiner Lampe dann voll aufgeladen?
„In einer von Konsum, Leistungsdruck und Informationsflut geprägten Welt darf der Mensch nicht auf Besitz und Erfolg reduziert werden, so Papst Leo.“ (Vatican News, Newsletter 07.10.2026)
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und eine gute Woche in Geduld und Zuversicht!
Ralf Crüsemann
Mein Tipp
Der Gebetsraum!
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