Notfalltelefon-Seelsorge: 02327 . 3015 - 50

Zentrales Pfarrbüro: Kontakt

Das Gleichnis vom willigen und vom unwilligen Sohn

Zum Sonntag, 27.09.2026

';

Matthäus 21, 28-32  – 26. Sonntag im Jahreskreis

28 Was meint ihr? Ein Mann hatte zwei Söhne. Er ging zum ersten und sagte: Mein Kind, geh und arbeite heute im Weinberg! 29 Er antwortete: Ich will nicht. Später aber reute es ihn und er ging hinaus. 30 Da wandte er sich an den zweiten und sagte zu ihm dasselbe. Dieser antwortete: Ja, Herr – und ging nicht hin. 31 Wer von den beiden hat den Willen seines Vaters erfüllt? Sie antworteten: Der erste. Da sagte Jesus zu ihnen: Amen, ich sage euch: Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr. 32 Denn Johannes ist zu euch gekommen auf dem Weg der Gerechtigkeit und ihr habt ihm nicht geglaubt; aber die Zöllner und die Dirnen haben ihm geglaubt. Ihr habt es gesehen und doch habt ihr nicht bereut und ihm nicht geglaubt.

Impuls

Liebe Leserin, lieber Leser,

Studien zeigen, dass Menschen im Schnitt etwa ein- bis zweimal am Tag lügen. Die oft gehörte Zahl von 200 Lügen täglich stimmt wohl nicht so ganz. Sie entsteht häufig nur dann, wenn man höfliche Floskeln und sogenannte Notlügen ebenfalls als Lügen zählt. Man möchte andere Menschen schließlich nicht verletzen oder enttäuschen. Mir ist es auch schon passiert, dass ich eine Ausrede oder eine Notlüge erfunden habe, um einem anderen Menschen nicht sagen zu müssen, dass ich etwas nicht möchte. Es ist halt bequemer, einfacher und wird meistens auch als passende Antwort akzeptiert. Schön oder fair ist das allerdings nicht und mein schlechtes Gewissen meldet sich meistens umgehend. Nichtsdestotrotz gibt es Menschen, die viel versprechen und wenig halten. Einfach Ja sagen und danach denken: „Jetzt lasst mich alle in Ruhe.“ Und es gibt andere, die zunächst zögern oder sogar ablehnen, dann aber noch einmal darüber nachdenken und ans Werk gehen. Im heutigen Bibeltext geht es genau darum. In diesem kurzen Gleichnis stellt der Herr Jesus eine unbequeme Frage: Was zählt mehr, das richtige Reden oder das richtige Handeln? Natürlich geht man nicht jeder Aufgabe mit Freude nach. Vieles muss einfach erledigt werden, mit mehr oder weniger Begeisterung. Aber wenn mich etwas motiviert und mir sinnvoll erscheint, tue ich es doch gleich viel lieber. Der Herr Jesus möchte mit diesem Gleichnis aufrütteln und zum Nachdenken anregen. Damals richtet er dieses Gleichnis an die Hohenpriester und Ältesten. Sie hielten sich für treue Diener Gottes. Doch viele von ihnen verschlossen sich den Worten von Johannes dem Täufer und später auch den Worten des Herrn Jesus selbst. Demgegenüber stellt der Herr Jesus ausgerechnet Zöllner und Prostituierte – Menschen, die gesellschaftlich als verachtenswerte Sünder galten. Sie hörten jedoch auf den Ruf zur Umkehr und waren bereit, ihr Leben zu verändern. Der Zöllner Zachäus ist ein Beispiel, wie ein Mensch sein Leben durch die Begegnung mit dem Herrn Jesus zum Positiven verändern kann. (Lukas 19, 1-10) Die Tempelobersten hingegen glaubten, im Recht zu sein, und zeigten keinerlei Bereitschaft zur Umkehr. Sie hielten sich selbst für gut und gerecht vor ihrem Gott. Sie predigten der Bevölkerung Wasser und tranken Wein. Das war für den Herrn Jesus weitaus schlimmer als das Verhalten der Zöllner und Dirnen. Denn umkehren kann nur derjenige, der sich seiner eigenen Schwächen und Sünden bewusst ist. Doch dieser Bibelabschnitt ist nicht nur eine Mahnung an die Eliten von damals. Die Worte bleiben bis heute aktuell. Auch heute halten sich manche Menschen für die einzig wahren und perfekten Gläubigen. Dagegen ist so mancher Mensch, der einer Religion fernsteht, vielleicht eher bereit, – bewusst oder unbewusst – den Willen Gottes zu erfüllen. Gott fragt nicht zuerst: „Hast du auch alles richtig gemacht?“ Sondern vielleicht eher: „Bist du bereit, heute meinem Ruf zu folgen?“

Der Weinberg Gottes ist überall dort, wo Menschen Liebe, Geduld, Zuwendung, Versöhnung und Hoffnung brauchen. Der Dienst am Menschen ist unser Ja zur Arbeit im Weinberg. Nur für Regeln, Gesetze und Rituale zu leben, kann dagegen zu einem Weg werden, auf dem wir das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren. Regeln und Gesetze haben ihren Sinn, besonders die zehn Gebote geben uns Halt und Orientierung. Sie sollen uns aber nicht fesseln und knebeln, sondern ein Leitfaden für richtiges Tun und Handeln sein. Es geht nicht darum, einen Kult zu pflegen, sondern sich um das eigene Wohl und ebenso um das Wohl des anderen zu kümmern. Gott sucht keine perfekten Menschen. Er sucht Menschen, deren Herz bereit ist, sich bewegen zu lassen. Ein spätes, aber ehrliches Ja zu Gott ist wertvoller als viele schöne Worte ohne Taten. Umkehr ist jederzeit möglich. „Null-Bock“, „No Future“ oder „No Religion“ sind nicht unbedingt der richtige Weg. Vielleicht ist genau das die Botschaft des heutigen Evangeliums: Nicht unsere schönen Worte sind entscheidend, sondern das, was wir daraus machen.

„Es ist besser, wenn du nichts gelobst, als wenn du etwas gelobst und nicht erfüllst.“ (Prediger 5,4)

Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und eine gute Woche!

Ralf Crüsemann

Mein Tipp

Im Internet unter: https://www.youtube.com/@gebetsraum

Hier findest du täglich kurze Impulse für deinen Tag. Mit Kapuzinermönch Paulus Terwitte kannst du mit einem Bibelvers in den Morgen starten und einen Segen empfangen. Als Short schenkt dir Congregatio Jesu-Schwester Magdalena Winghofer eine spirituelle Mittagspause, bevor du mit Benediktiner Bruder Lukas aus der Abtei Münsterschwarzach den Tag beschließen kannst. Begleitet wird unsere Community von einem engagierten Team, das dir in den Kommentaren mit Rat, Trost und auch einem kleinen Augenzwinkern zur Seite steht.