Notfalltelefon-Seelsorge: 02327 . 3015 - 50

Zentrales Pfarrbüro: Kontakt

Habt ihr das alles verstanden?

Zum Sonntag, 26.07.2026

';

Matthäus 13, 44 – 52 – 17. Sonntag im Jahreskreis

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn und grub ihn wieder ein. Und in seiner Freude ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte den Acker. 45 Auch ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Kaufmann, der schöne Perlen suchte. 46 Als er eine besonders wertvolle Perle fand, ging er hin, verkaufte alles, was er besaß, und kaufte sie.

47 Wiederum ist es mit dem Himmelreich wie mit einem Netz, das ins Meer ausgeworfen wurde und in dem sich Fische aller Art fingen. 48 Als es voll war, zogen es die Fischer ans Ufer; sie setzten sich, sammelten die guten Fische in Körbe, die schlechten aber warfen sie weg. 49 So wird es auch bei dem Ende der Welt sein: Die Engel werden kommen und die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern 50 und sie in den Feuerofen werfen. Dort wird Heulen und Zähneknirschen sein.

51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten ihm: Ja. 52 Da sagte er zu ihnen: Deswegen gleicht jeder Schriftgelehrte, der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem Hausherrn, der aus seinem Schatz Neues und Altes hervorholt.

Lesungstext

Impuls

Den Einwohnern des Ruhrgebietes sagt man allgemein nach, recht zügig zum Kern zu kommen. Die Sprache direkt, die Zurückhaltung nicht sonderlich ausgeprägt. Mir scheint, Jesus wäre im Ruhrgebiet nicht als Einheimischer erschienen. Er redet und bringt Gleichnisse ohne Ende, fragt auch noch nach, erntet Zustimmung – doch wir wissen aus dem Evangelium, dass Skepsis und Unverständnis überwiegen wird. Als der Friedensfürst festgenommen wird, folgt Petrus nicht seinem Wort und hält den Wachen sich selbst hin, sondern er schlägt einer Wache ein Ohr ab. Er steht nicht zu seiner Erkenntnis, Jesus sei der Messias, sondern verleugnet Jesus mehrfach. Andere Jünger brauchen auf dem Weg nach Emmaus eine langfristige Erscheinung, um endlich zu verstehen. Im Tiefwesten der Republik ist man aus heutiger Sicht geneigt, dem Bibelpersonal zuzurufen: „Ja, isset denn sooo schwer, hömma?“

Ja, es ist schwer. Unglaublich schwer. Kaum stirbt jemand aus dem engeren Kreis, kommen Zweifel an dieser unendlichen Gottesliebe auf. Ach, es muss noch nicht mal jemand sterben, es reicht schon eine ernsthafte Erkrankung. Ein erlittenes Leid, ja bisweilen reicht es schon, wenn ein Wettkampf von der eigenen Nationalmannschaft mal wieder in der Vorrunde vorüber ist. Anders ausgedrückt: Der moderne Mensch nimmt jede Möglichkeit wahr, um an der verkündeten Wahrheit zu (ver-)zweifeln. Es ist doch so unvorstellbar und überirdisch, was Jesus verkündet. Selbst dann, wenn er die Wahrheit häppchenweise serviert.

Gleich beim ersten Gleichnis komme ich ins Grübeln: Da kauft jemand den Acker, in dem ein Schatz vergraben ist. Der andere kauft eine Perle, nur um sie zu besitzen. Geht das überhaupt? Kann man den Schatz seines Glaubens besitzen? Kann man an einer Parzelle von Gottes Verheißung Eigentum erwerben? Wer verhindert eigentlich, dass irgendein anderer den Schatz aus dem Acker ausgräbt und einem dann nur noch der Acker verbleibt? Und die Perle? Was, wenn ich mich an ihr sattgesehen hätte? Wenn ich sie doch hergeben müsste, um zu überleben?

Mein Glaube ist doch ganz anders. Er ist gegenüber einer Sache, die man erwerben kann, eben nicht zu stehlen. Es gibt kein Eigentum an meinem Glauben. Was mir in der Taufe geschenkt wurde, kann mir nicht genommen werden. Meinen Schatz kann ich mir nicht kaufen und vergraben – ich kann ihn lediglich leben. Ich kann meinem Leben entgegenleben. Und wenn ich das mit anderen gemeinsam kann, wird mein Schatz eher größer, bleibt aber dennoch ungefährdet. Wenn ich aber meinem Leben mit anderen gemeinsam entgegenlebe, dann kann mir eigentlich egal sein, ob die Ungerechten heulen und mit den Zähnen knirschen werden.

Vielleicht ist ein Schatz oder eine Perle hübsch anzusehen, richtig wertvoll und kann beruhigen. In mein irdisches Leben ist göttliches eingegraben. Es muss nicht poliert oder neu gefasst werden, es kann nicht versichert werden. Und dennoch kann es in mir durch mich für andere zum Strahlen werden.

Ihnen und mir wünsche ich, dass wir verstehen, unendlich wertvoll beschenkt zu sein.

Tim Wollenhaupt