Notfalltelefon-Seelsorge: 02327 . 3015 - 50

Zentrales Pfarrbüro: Kontakt

Wer Ohren hat, höre! – Das Gleichnis vom Sämann und der Aussaat

Zum Sonntag, 12.07.2026

';

Matthäus 13, 1-23 – 15. Sonntag im Jahreskreis

1 An jenem Tag verließ Jesus das Haus und setzte sich an das Ufer des Sees. 2 Da versammelte sich eine große Menschenmenge um ihn. Er stieg deshalb in ein Boot und setzte sich. Und alle Menschen standen am Ufer. 3 Und er sprach lange zu ihnen in Gleichnissen. Er sagte: Siehe, ein Sämann ging hinaus, um zu säen. 4 Als er säte, fiel ein Teil auf den Weg und die Vögel kamen und fraßen es. 5 Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; 6 als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte. 7 Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat. 8 Ein anderer Teil aber fiel auf guten Boden und brachte Frucht, teils hundertfach, teils sechzigfach, teils dreißigfach. 9 Wer Ohren hat, der höre!

Sinngebung für die Gleichnisrede
10 Da traten die Jünger zu ihm und sagten: Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen? 11 Er antwortete ihnen: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu verstehen; ihnen aber ist es nicht gegeben. 12 Denn wer hat, dem wird gegeben und er wird im Überfluss haben; wer aber nicht hat, dem wird auch noch weggenommen, was er hat. 13 Deshalb rede ich zu ihnen in Gleichnissen, weil sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht hören und nicht verstehen. 14 An ihnen erfüllt sich das Prophetenwort Jesajas: Hören sollt ihr, hören und doch nicht verstehen; / sehen sollt ihr, sehen und doch nicht einsehen. 15 Denn das Herz dieses Volkes ist hart geworden. / Mit ihren Ohren hören sie schwer / und ihre Augen verschließen sie, / damit sie mit ihren Augen nicht sehen / und mit ihren Ohren nicht hören / und mit ihrem Herzen / nicht zur Einsicht kommen / und sich bekehren und ich sie heile. 16 Eure Augen aber sind selig, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. 17 Denn, amen, ich sage euch: Viele Propheten und Gerechte haben sich danach gesehnt zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann
18 Ihr also, hört, was das Gleichnis vom Sämann bedeutet. 19 Zu jedem Menschen, der das Wort vom Reich hört und es nicht versteht, kommt der Böse und nimmt weg, was diesem Menschen ins Herz gesät wurde; bei diesem ist der Samen auf den Weg gefallen. 20 Auf felsigen Boden ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört und sofort freudig aufnimmt; 21 er hat aber keine Wurzeln, sondern ist unbeständig; sobald er um des Wortes willen bedrängt oder verfolgt wird, kommt er sofort zu Fall. 22 In die Dornen ist der Samen bei dem gefallen, der das Wort hört, und die Sorgen dieser Welt und der trügerische Reichtum ersticken es und es bleibt ohne Frucht. 23 Auf guten Boden ist der Samen bei dem gesät, der das Wort hört und es auch versteht; er bringt Frucht – hundertfach oder sechzigfach oder dreißigfach.

Impuls

In jeder Beziehung ist es wichtig, aufeinander zu hören, einander zuzuhören und zu verstehen. Das gelingt nicht immer, ist auch nicht immer leicht. Missverständnisse können irritieren und belasten…

Das gilt auch für meine Beziehung zu Gott, für mein Hören auf Gottes Wort. Darum geht es im heutigen Evangelium. Jesus spricht vom Hören auf Gottes Wort und von uns Menschen, die Gottes Wort hören, aber – damals wie heute – sehr unterschiedlich aufnehmen:

  • Jesus erlebt Menschen, die seine Botschaft von Gottes neuer Welt hören, aber nicht tiefer in sich eindringen lassen.
  • Andere hören das Wort und nehmen es begeistert auf – aber nur oberflächlich, ohne dass es Wurzeln schlägt. Sobald ihr Glaube herausgefordert wird oder sie wegen des Glaubens in Schwierigkeiten geraten, dann ist es mit ihrer Begeisterung schnell vorbei.
  • Wieder andere hören sein Wort und versuchen, danach zu leben – „aber die Sorgen des Alltags oder die Versuchungen des Wohlstands ersticken Gottes Botschaft, und alles bleibt beim alten“.
  • Erst wenn wir Gottes Botschaft hören und sie wirklich an uns heranlassen und sie uns zu Herzen nehmen, kann sie in uns Wurzeln schlagen und Frucht bringen.

Damit dies geschehen kann, ist es wichtig, dass uns z.B. im Gottesdienst nach der Lesung und nach dem Evangelium eine Zeit der Stille gewährt wird, in der das gehörte Wort Gottes bei mir ankommen kann; in der ich das gehörte Wort wirklich an mich und mein Leben heranlassen kann…

Wie verstehe ich sein Wort richtig? Darüber muss ich vielleicht erst einmal nachdenken oder mit anderen sprechen… Was es bedeutet, erspüre ich besser, wenn ich es mir zu Herzen nehme und mir vorstelle, nach diesem Wort zu leben …

In einer „Übersetzung, die unsere Sprache spricht“ erklärt Jesus seinen Jüngerinnen und Jüngern das Gleichnis von der Aussaat mit folgenden Worten:

„Wer die Botschaft von Gottes neuer Welt hört, sie aber nicht tiefer in sich eindringen lässt, bei dem kommt der Satan und reißt die Saat aus seinem Herzen. Damit ist der gemeint, bei dem die Körner auf den Weg fielen.
Wie felsiger Boden ist ein Mensch, der die Botschaft hört und mit großer Begeisterung annimmt. Aber sein Glaube hat keine starken Wurzeln und deshalb keinen Bestand…
Der von Disteln überwucherte Boden entspricht einem Menschen, der die Botschaft zwar hört und der auch anfängt, danach zu leben. Aber die Sorgen des Alltags und die Verführung durch den Wohlstand ersticken Gottes Botschaft, so dass keine Frucht wachsen kann. So bleibt alles beim alten.
Der fruchtbare Boden aber ist ein Mensch, der Gottes Botschaft hört, sich zu Herzen nimmt und dann dreißig-, sechzig- oder hundertfache Frucht bringt.“ (Mt 13,18-23)

Immer wieder neu bin ich eingeladen, Gottes Wort wirklich an mich heranzulassen, es mir zu Herzen zu nehmen und konkret zu versuchen, danach zu leben. Das ist immer wieder ein spannendes Abenteuer, das manchmal gelingt und mein Leben und das Leben meiner Mitmenschen beglücken kann. Und aus der Erfahrung wissen wir, dass Wachsen und Frucht-bringen Zeit braucht und Geduld!!

Burkhard Schönwälder