Matthäus 16, 13-20 – 21. Sonntag im Jahreskreis
13 Als Jesus in das Gebiet von Cäsarea Philippi kam, fragte er seine Jünger und sprach: Für wen halten die Menschen den Menschensohn? 14 Sie sagten: Die einen für Johannes den Täufer, andere für Elija, wieder andere für Jeremia oder sonst einen Propheten. 15 Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! 17 Jesus antwortete und sagte zu ihm: Selig bist du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern mein Vater im Himmel. 18 Ich aber sage dir: Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen und die Pforten der Unterwelt werden sie nicht überwältigen.[1] 19 Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird im Himmel gelöst sein. 20 Dann befahl er den Jüngern, niemandem zu sagen, dass er der Christus sei.
Impuls
Liebe Leserin, lieber Leser,
Caesarea Philippi lag etwa 65 Kilometer nördlich des Sees Genezareth und acht Kilometer östlich des Jordans. Die Felsgrotte von Caesarea Philippi (im heutigen Nationalpark Banias, Israel) war damals ein bedeutendes Heiligtum des griechischen Gottes Pan. Aufgrund der tiefen Höhle galt sie als heidnisches Tor zur Unterwelt (Hades). Nachdem der Herr Jesus in die Dörfer dieses Gebietes kam (Mk 8,27), geschah etwas, das allgemein als Höhepunkt seiner Lehrtätigkeit gilt: Er fragte seine Nachfolger nach der wahren Erkenntnis seiner Person. „Für wen halten die Menschen den Menschensohn?“ und schließlich: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Darauf antwortete Simon Petrus: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“
Es wird hier sehr persönlich und es wird um eine ehrliche Antwort gebeten. Zunächst fragt der Herr Jesus allgemein nach der Meinung der Menschen über sich. Dann wendet er sich konkret an seine Nachfolger. Damit wird deutlich: Christlicher Glaube besteht nicht nur darin, zu wissen, was andere über Jesus Christus denken. Irgendwann wird jeder selbst gefragt: Wer ist er für mich? Diese Frage bleibt aktuell – unabhängig von Zeit oder Kultur. Der Apostel Petrus antwortet klar: „Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes.“ Diese spontane Antwort ist mehr als eine intellektuelle Leistung; sie ist auch ein Geschenk Gottes, denn „nicht Fleisch und Blut haben es ihm offenbart, sondern der Vater im Himmel.“ Petrus erarbeitet sich diese Einsicht nicht selbst, er vertraut darauf, dass Gott seinen Verstand dafür öffnet.
Der Herr Jesus nennt ihn daraufhin Petrus („Fels“). Auf diesen Felsen will er seine Kirche bauen. Petrus als Zeuge des Glaubens, auf dessen Bekenntnis die Gemeinde gegründet wird. Aus den bescheidenen Anfängen einer kleinen Gemeinde erwuchs im Laufe der Zeit eine weltweite Kirche. Unabhängig von der Auslegung betont der Text, dass der Herr Jesus selbst seine Kirche baut. Diese Kirche steht auf einem festen Fundament, sodass „die Pforten der Unterwelt sie nicht überwältigen können.“ Dadurch wird deutlich: Tod und Mächte des Bösen können Gottes Werk nicht endgültig stoppen. Gottes Zusage bleibt: Das Böse hat nicht das letzte Wort.
Petrus werden die Schlüssel zum Himmelreich übergeben; die Schlüssel stehen symbolisch für die große Verantwortung und Vollmacht, die er erhalten hat. Wer einen Schlüssel trägt, kann Türen öffnen oder verschließen. Die Gemeinde wird berufen, Menschen den Zugang zu Gottes Reich zu eröffnen – durch Verkündigung des Evangeliums und gelebten Glauben. Der Herr Jesus verbietet seinen Nachfolgern zunächst, weiterzugeben, dass er der Messias ist. Das wirkt überraschend; vermutlich wollte er politische Irrtümer vermeiden. Erst nach Kreuz und Auferstehung konnte seine Sendung richtig verstanden werden.
Ganz aktuell fragt uns der Herr Jesus: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“ Er fragt nicht allgemein, was andere über ihn sagen, sondern sehr persönlich. Er sucht nicht Bestaunende, sondern echte Nachfolger. Wer ist Jesus Christus heute für mich? Worauf baue ich mein Leben – auf wechselnde Meinungen oder auf ihn? Wo möchte Gott durch mich eine Tür öffnen statt schließen? Wahre Erkenntnis ist Geschenk und Verantwortung zugleich. Die Kirche lebt nicht aus eigener Initiative und Stärke, sondern, weil Christus sie aufgebaut hat und trägt. Christen sind berufen, Türen zu öffnen, Glauben, Liebe und Hoffnung weiterzugeben; und unsere weltweite Kirche kann das heute sowohl analog als auch digital hervorragend umsetzen.
„Das Fundament, das bei euch gelegt wurde, ist Jesus Christus. Niemand kann ein anderes legen.“ (1. Kor 3,11).
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag und eine gute Woche!
Ralf Crüsemann
Mein Tipp
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