Matthäus 10, 37-42 – 13. Sonntag im Jahreskreis
37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert, und wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert. 38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht wert. 39 Wer das Leben findet, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. 40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf, und wer mich aufnimmt, nimmt den auf, der mich gesandt hat. 41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein Prophet ist, wird den Lohn eines Propheten erhalten. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil es ein Gerechter ist, wird den Lohn eines Gerechten erhalten. 42 Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.
Impuls
Zugegeben, der Text betrifft mich nicht unmittelbar. Denn die beschriebene Szene zeichnet einen Dialog Jesu mit den Menschen in seiner Nähe nach. Das war vor rund zweitausend Jahren. Ewigkeiten von mir entfernt. Oder?
Und doch ist es kein Tagebucheintrag aus der Loseblattsammlung der Jüngerinnen und Jünger. Es ist ein Text, der sich aus der Situation damals an mein Leben heute richtet. Und wie. Sagt er mir doch heute noch zu, dass diejenigen, die Jesus nachfolgen, ihm natürlich auch in den Tod folgen werden – aber mit ihm auch zum Leben gelangen werden.
In mir ist Platz für Jesus, wenn ich diesen Platz schaffen möchte. Aber wenn ich diesen Platz geschaffen habe, sagt Jesus mir zu, dass er diesen Platz einnehmen und in mir wirken wird. Auch und gerade Dritten gegenüber. Kommunion im besten Sinne. So, wie wir Jesus als Brot und Wein körperlich aufnehmen und daraus eine Einheit für die Zukunft wird, die untrennbar ist, entsteht aus der aufgenommenen Handlungsweise in Jesu Sinn eine Einheit über den Tod hinaus.
Aus Jesu Worten folgt: Du kannst, du darfst dich um alles Irdische kümmern. Aber es sollte nichts Wichtigeres geben als das Handeln in Gottes Sinn. Nun, man könnte meinen, dass damit eine Hierarchie vorgeschrieben werde. Das empfinde ich nicht so. Es erdet eher. Wenn nichts wichtiger als Gott ist, dann ist es auch weniger erstrebenswert. Wenn es weniger erstrebenswert ist, ist es weniger verlockend oder verführerisch. Man wird etwas gelassener, wenn man die Priorität anders setzt, finde ich. Denn Gott sagt mir in diesem Text: Du gehörst zu mir und ich lasse dich nicht allein. Wir sind zusammen über das Ende deines Lebens hinweg. Das galt schon immer und es wird für immer gelten.
Aufgenommen zu sein heißt hier nicht, Asyl zu beantragen und es gewährt zu bekommen. Aufgenommen zu sein ist eine gegenseitige Zusicherung, die nicht aufgelöst werden kann. Eine Lebensversicherung ohne Kündigung.
Was für ein Versprechen.
Tim Wollenhaupt